Wir geben Wien ein Zuhause

In den letzten Monaten wurde ein ganzer Berufsstand für wahlkampftaktische Zwecke missbraucht und in Misskredit gebracht : die Immobilienmakler. Zu der verhältnismäßig kleinen Berufsgruppe zählen österreichweit knapp 20.000 Beschäftigte.

Eine strategisch unbedeutende Zahl. Man verliert nicht allzu viele Stimmen, wenn man diese Gruppe verärgert. Offenbar hat diese Berufsgruppe doch wieder so viel Bedeutung in der Öffentlichkeit, dass sich mit ihr politisches Kleingeld machen lässt.

Die Politik versteht es bekanntlich, Fakten so zu verdrehen, dass sie für die eigenen Anliegen passend werden. So wurde als politisches Ziel postuliert, dass die Kosten für den Mieter zum Zeitpunkt des Vertrags-Abschlusses so gering wie möglich sein sollen. Dieses Ziel zu erreichen wäre an sich lobenswert.

Anstatt bei Kosten anzusetzen, denen keine Leistung gegenübersteht (Stichwort Mietvertragsgebühr) wurde der Makler, der meistens durch seine Dienstleistung ein Zustandekommen des Mietverhältnisses erst ermöglicht hat, schnell als einer der Hauptgründe ausgemacht, warum Wohnen und Mieten im Speziellen überhaupt so teuer ist.

Seither ist auch der Herr Wohnbaustadtrat bemüht, keine Möglichkeit auszulassen zu verkünden, wie toll doch das Unternehmen „Wohnservice Wien“ der Gemeinde Wien doch ist. An die 50 Mitarbeiter stellen allen Wienern Ihre Maklerdienstleistung GRATIS zur Verfügung, indem sie beraten und Wohnungen provisionsfrei vermitteln. Interessant ist dabei, dass dieses Unternehmen für diese Tätigkeit gar keine Gewerbeberechtigung hat. Auf den ersten Blick ist das ein Angebot, mit dem die Wiener Immobilienmakler nicht mithalten können.

Dass beim „Wohnservice Wien“ nur ehrenamtliche Mitarbeiter tätig sind, wird niemand ernsthaft glauben. Die Gemeinde Wien lässt sich diesen „Gratis“-Service nach eigenen Angaben jährlich rd. 25 Mio. Euro kosten. Im Vorjahr wurden eigenen Angaben zufolge insgesamt 2.500 Wohnungen erfolgreich vermittel. Umgelegt auf jede vermittelte Wohnung betragen die Kosten für jede Transaktion somit rd. 10.000 Euro. Wer zahlt denn nun die Rechnung, Provisionseinnahmen gibt es nicht.

Wiener Makler könnten unter gleichartigen Rahmenbedingungen ihre Dienstleistung ebenfalls „gratis“ anbieten. Die Kosten der Angestellten und der gesamten Infrastruktur der einzelnen Maklerbüros müssten nur aus Steuermitteln bezahlt werden.

Wohnungsvermittlung ist keine Sozialleistung, die aus Steuergeldern zu finanzieren ist. Wir Makler begehren ein Entgelt als Gegenleistung für unsere Dienstleistung. Fairer Weise nur von demjenigen, der unsere Leistung in Anspruch nimmt und nur dann, wenn die Vermittlung erfolgreich war. Nicht von den rd. 900.000 Berufstätigen in Wien die gar keine Wohnung suchen, über Umwege von Steuern und Abgaben.

Thomas Malloth, Obmann des Fachverbandes der Immobilien- und Vermögenstreuhänder bringt es auf den Punkt: „Wohnen ist ein kostbares Gut, wir Makler haben die Verantwortung dafür, wir garantieren Beratung und Sicherheit. Makler haben sich eine faire Entlohnung ihrer Dienstleistung verdient, wie andere rechts- und wirtschaftsberatende Berufe auch“.

„Wir geben Wien ein Zuhause“. So lautet der Slogan der aktuellen Imagekampagne der Wiener Immobilienmakler. Damit will die Berufsgruppe darauf aufmerksam machen, dass der Immobilientreuhänder einen wesentlichen Beitrag zur Wirtschaftsleistung des Landes beiträgt.

2016-04-18T22:29:45+00:00 23. Februar 2011|Kommentare|