Immobilienpreise: Die Schere geht auseinander

Wohnen ist gegenüber dem Vorjahr teurer geworden. Vor allem dort, wo es schon kostspielig ist, etwa in Salzburg und Wien. Im Bezirk Murau sinken die Preise dagegen.
Wer in der Stadt Salzburg eine Wohnung kaufen will, könnte sich ärgern, das nicht schon vor einem Jahr getan zu haben: Gebrauchte wie neue Wohnungen in der Landeshauptstadt haben sich um mehr als 13 Prozent verteuert. Das geht aus dem jüngsten Immobilien-Preisspiegel der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) hervor.

Pro Quadratmeter zahlt man in der Festspielstadt jetzt 4207 Euro bei Erstbezug. Gebrauchte Eigentumswohnungen sind mit 2269 Euro billiger. Salzburg ist zwar ein Ausreißer nach oben, liegt aber im Trend: Wohnen ist in Österreich seit dem Vorjahr teurer geworden– in fast allen Bundesländern, ob zur Miete oder im Eigentum, ob für Baugrund, Wohnung oder Einfamilienhaus. Eine Ursache ist die Flucht der Anleger in Immobilien: „Immobilien gelten als sicherer Hafen für Anleger“, stellt Thomas Malloth, Obmann des Fachverbands der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der WKÖ, fest. Vor allem in Ballungszentren decken sich Anleger mit Wohnungen und ganzen Zinshäusern ein.

Das bestätigt eine Erhebung von Roland Schmid, Chef des Immobilien-Dienstleisters Webservicesunited: Demnach lag die Zahl der im Grundbuch verbücherten Eigentumstransaktionen in Österreich in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres um sieben Prozent über dem Wert des Vergleichszeitraums des Vorjahres. In Wien betrug die Steigerung 19,8 Prozent. Das hat Auswirkungen auf die Preise. Jene für Eigentumswohnungen stiegen österreichweit um 3,5 Prozent. Die Unterschiede sind jedoch je nach Region und Ausstattung beträchtlich. Tendenziell zeigt sich: Teure innerstädtische Lage wird noch teurer, in abgelegenen Gegenden stagnieren die Preise– oder geben nach.

  • Wer wenig Geld für eine Eigentumswohnung ausgeben will, sollte sich im steirischen Bezirk Murau umschauen. Dort bezahlt man für eine gebrauchte Eigentumswohnung 630,8 Euro pro Quadratmeter. Tendenz fallend: Vor fünf Jahren waren es 837 Euro.

    Am teuersten logiert man in der Wiener Innenstadt: Für eine neue Wohnung muss man durchschnittlich 5911 Euro pro Quadratmeter hinlegen. Handelt es sich um ein Domizil von „sehr gutem Wohnwert“ (Grünblick, Parkettböden, große Terrasse), zahlt man 7533,3 Euro pro Quadratmeter, um 7,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

  • Noch größer sind die Unterschiede bei Baugrundstücken. In Wien-Döbling muss man mit durchschnittlich 927 Euro pro Quadratmeter rechnen. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren zahlte man dort erst 662 Euro. Auch für Wien-Nähe muss man tief in die Tasche greifen. Im Bezirk Mödling kostet der Baugrund 340 Euro pro Quadratmeter. Teuer ist auch Salzburg-Stadt mit 600 Euro.

    Österreichweit am günstigsten fährt man dagegen im steirischen Bezirk Radkersburg, wo man den Quadratmeter Baugrund um 24,9 Euro erhält. Billig kann man sich in in den niederösterreichischen Bezirken Waidhofen an der Thaya mit 28,3 Euro und Gmünd mit 29,3 Euro eindecken.

  • Bei der Miete sind die Unterschiede etwas geringer. Doch wird auch hier vor allem Teures noch teurer: In der Wiener Innenstadt berappt man derzeit durchschnittlich zwölf Euro netto pro Monat und Quadratmeter, gefolgt von Wien-Döbling mit 9,8 Euro und Salzburg-Stadt sowie Innsbruck (je 9,1 Euro). Wer innerhalb Wiens am billigsten mieten will, muss in die Brigittenau ziehen. Dort zahlt man 6,8 Euro pro Quadratmeter– doch auch hier geht der Trend nach oben. Deutlich günstigere Mietwohnungen gibt es wiederum im Bezirk Horn mit 3,3 Euro pro Quadratmeter. Tendenz fallend.

(Quelle: Die Presse, 26.06.2010)

2016-04-18T22:14:22+00:00 28. Juni 2010|Marktbeobachtung|