Individuell in der Reihe tanzen

Reihenhäuser: Die verdichtete Bauweise gewinnt an Attraktivität und neuen Zielgruppen – die Preise klettern wegen Grundstückskosten in die Höhe, architektonisch besteht Aufholbedarf.

 

Ein Haus mit drei Zimmern, ein kleines „Garterl“, eine gute Infrastruktur – das ist der Stoff, aus dem Reihenhausträume sind. Reihenhäuser stellen hierzulande immer mehr eine Alternative zum Einfamilienhaus dar. Sie bieten mehr Grün als Eigentumswohnungen, sind preislich erschwinglicher als der private Hausbau und bieten dennoch eine Reihe von Annehmlichkeiten. Reihenhäuser sind durch die geteilten Erschließungs- und Baukosten günstiger als ein Einfamilienhaus und werden bezugsfertig übergeben. Dadurch ersparen sich die künftigen Eigentümer eine Menge an Nerven und Zeit. Beliebt sind Eckreihenhäuser mit 130 Quadratmeter Grundfläche, 150 bis 200Quadratmeter Garten, südostseitig ausgerichtet und mit einer Dachterrasse ausgestattet. Grünlage mit adäquater Infrastruktur und Erholungswert sind weitere entscheidende Kriterien.

Hohe Ansprüche, entsprechende Preise

Die Klientel ist breit gefächert. Reihenhäuser sind, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass vor allem in Wien und Umgebung der Preis für Grund und Boden exorbitante Höhen erreicht hat, nicht länger ausschließlich Jungfamilien vorbehalten. Die Generation 40 plus zählt ebenso zu den Interessenten. Die Objektnachfrage ist – im Unterschied zu den vergangenen Jahren – enorm. Schleifer: „Die Menschen trauen sich wieder mehr. Man ist bereit, Kredite aufzunehmen und sich finanziell langfristig zu verpflichten. So gesehen ist in diesem Segment die Wirtschaftskrise definitiv überwunden.“

Und so kommt es, dass das vorhandene Angebot die Bedürfnisse des Marktes bei Weitem nicht befriedigen kann. Die Vermittlung ist für Makler trotzdem nicht immer leicht, denn zukünftige Bewohner zählen zu den kritischen Kunden. Immerhin müssen sie aktuell meist rund 300.000 Euro für ihre Vorstellungen bezahlen, die preisliche Bandbreite schwankt nur bei zehn bis 15 Prozent darüber oder darunter.

Somit hat sich der Preis für ein Reihenhaus längst schon an den eines günstigen Einfamilienhauses genähert. Hauptverursacher dafür sind die Grundstückspreise – und nicht die Architektur, wie auch Makler monieren.

Ansprechend aneinandergereiht

Damit die Privatsphäre der Bewohner trotz verdichteter Bauweise gewahrt bleibt, rät der niederösterreichische Architekt Ernst Linsberger zu „einer hakenförmigen Anordnung der Häuser“. Die Herausforderung bestünde darin, ein leistbares Produkt zu schaffen, das mit den Anforderungen, die an zeitgemäßes Wohnen gestellt werden, mithalten kann. Er hält nichts von Reihenhausanlagen, die „wie Schallschutzwände in die Landschaft gepflanzt wurden“. Diese seien leider noch immer nicht vom Aussterben bedroht.

Anders gestaltet sich die Lage etwa in den Niederlanden. Dort schaffen es Reihenhäuser oftmals bis in die Preisträgerränge von Ausschreibungen diverser Hochglanz-Wohnmagazine. Der Zugang zum Reihenhaus ist ein anderer, es gibt eine Kultur des „aneinandergereihten Wohnens“.

(Quelle:DiePresse 30.7.2011)

2017-02-14T12:21:49+00:00 1. August 2011|Trends|